Klaus Meschkat wird zum 75. Geburtstag geehrt
Aus der HAZ, 01.11.10 von Ekkehard Böhm"Die reine Harmonie
Den Tenor des Abends gab Laudator Oskar Negt vor: „Lieber Klaus, liebe Genossinnen und Genossen, wir sind ja in gewisser Weise unter uns.“ Der „liebe Klaus“, das war der emeritierte hannoversche Soziologieprofessor Klaus Meschkat, der just an diesem Tag seinen 75. Geburtstag beging, und auf Einladung des Literaturbüros wurde sein Buch „Konfrontationen“ vorgestellt – Streitschriften wider herrschende Ideologien sowie Stellungnahmen zur deutschen wie internationalen Politik aus 50 Jahren. Meschkat, geboren in Berlin und von 1975 bis 2001 Professor in Hannover, blickt auf eine lange linke Karriere zurück: Bruch mit der SPD schon vor dem Godesberger Programm, Mitglied im SDS, Vorsitzender des Republikanischen Clubs in Berlin und Freund von Rudi Dutschke. Heute bezeichnet er sich als antiautiautoritären Sozialisten. In manchem hat Meschkat die 68er-Bewegung vorweggenommen – und ihr auch angehört. Die lebendigsten Kapitel in „Konfrontationen“, sagte Negt, seien die, in denen Meschkat sich dagegen wehre, dass die 68er in eine „bestimmte Richtung“ gedrängt würden, nämlich Handlanger der SED gewesen zu sein. Wo er heute steht, machte Meschkat in einer Erwiderung deutlich: Von seiner früheren Distanzierung zu den Parteien – SPD, Grüne und Linkspartei – ist er abgerückt, es bedürfe aber eines Gegengewichts durch eine außerparlamentarische Bewegung, etwa Attac, da ist Meschkat im Wissenschaftlichen Beirat vertreten. Ursprünglich, sagte Meschkat, habe er nach seiner Emeritierung nach Berlin zurückkehren wollen. Dann aber sei er doch in Hannover geblieben. „Ich habe es gut gehabt in dieser Stadt.“ Das hörten die „lieben Genossinnen und Genossen“ gerne an diesem harmonievollen Abend. Negt gab noch einen drauf: Er kenne Meschkat seit 1959, und beide hätten sich in dieser Zeit nie gestritten. Was sich nicht einmal von jeder Ehe sagen lässt." Zurück
